Ihr Gepäck ist nach einem Air France Flug verschwunden? Diese Situation ist frustrierend und stressig, aber Sie sind ihr nicht hilflos ausgeliefert. Als Experte kann ich Ihnen versichern, dass es klare Schritte gibt, die Sie unternehmen können. Dieser Leitfaden bietet Ihnen eine klare, schrittweise Anleitung, wie Sie von der ersten Meldung bis zur Entschädigung vorgehen müssen, um Ihre Rechte vollumfänglich zu wahren.
Gepäck verloren bei Air France? So handeln Sie sofort und sichern Ihre Rechte
- Melden Sie den Verlust umgehend am Air France Gepäckschalter am Flughafen, bevor Sie den Zollbereich verlassen, und lassen Sie einen Property Irregularity Report (PIR) erstellen.
- Ergänzen Sie die Meldung innerhalb von 72 Stunden online bei Air France und erstellen Sie eine detaillierte Inventarliste Ihres Kofferinhalts.
- Verfolgen Sie den Status Ihres Gepäcks mit der PIR-Referenznummer über das WorldTracer-System.
- Bewahren Sie alle Belege für notwendige Ersatzkäufe auf, da Air France diese bei verspätetem Gepäck erstatten muss.
- Ihr Gepäck gilt nach 21 Tagen als offiziell verloren; die maximale Entschädigung nach dem Montrealer Übereinkommen beträgt ca. 1.288 SZR (ca. 1.500 Euro), wobei der Wert nachgewiesen werden muss.
- Stellen Sie Ihre Entschädigungsansprüche innerhalb von zwei Jahren nach dem Flugdatum.

Ihr Gepäck ist weg? So handeln Sie sofort am Flughafen
Die ersten Minuten nach der Feststellung, dass Ihr Gepäck nicht auf dem Band erscheint, sind entscheidend. Meine wichtigste Empfehlung ist: Bleiben Sie ruhig und handeln Sie sofort. Sie müssen den Verlust noch am Flughafen melden, und zwar bevor Sie den Zollbereich verlassen. Suchen Sie den Gepäckermittlungsschalter (oft als "Baggage Service Office" oder "Lost & Found" bezeichnet) von Air France oder einer ihrer Partnerfluggesellschaften auf. Das ist der kritischste Schritt, um Ihre Ansprüche zu sichern.
Dort wird ein sogenannter Property Irregularity Report (PIR) erstellt. Dieses Dokument ist Ihr offizieller Nachweis des Verlusts und enthält eine einzigartige Referenznummer (z. B. FRAAF12345), die Sie für alle weiteren Schritte benötigen. Ohne diesen PIR-Bericht wird es extrem schwierig, später Ansprüche geltend zu machen. Stellen Sie sicher, dass Sie alle erforderlichen Informationen bereithalten:
- Flugnummer und Flugdatum: Die genauen Details Ihres Air France Fluges.
- Ticketnummer: Ihre persönliche Flugticketnummer.
- Gepäckanhänger: Der kleine Aufkleber, den Sie beim Check-in erhalten haben und der normalerweise auf Ihrer Bordkarte befestigt ist. Dieser ist der wichtigste Nachweis, dass Ihr Gepäck überhaupt aufgegeben wurde. Bewahren Sie ihn sorgfältig auf!
- Beschreibung des Koffers: Farbe, Marke, Größe und besondere Merkmale, die Ihren Koffer einzigartig machen.
- Ihre Kontaktdaten: Eine erreichbare Telefonnummer und E-Mail-Adresse, unter der Sie am Zielort kontaktiert werden können.
Lassen Sie sich eine Kopie des PIR-Berichts aushändigen und prüfen Sie, ob alle Angaben korrekt sind. Dies ist Ihr erster und wichtigster Schritt zur Sicherung Ihrer Rechte.
Die Online-Meldung: So sichern Sie Ihre Ansprüche bei Air France
Auch wenn Sie bereits einen PIR-Bericht am Flughafen erhalten haben, ist eine zusätzliche Online-Meldung bei Air France unerlässlich. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass dies ein häufig übersehener Schritt ist, der aber für die weitere Bearbeitung und die Geltendmachung Ihrer Ansprüche von großer Bedeutung ist. Die Fluggesellschaft benötigt diese detaillierte Online-Meldung, um die Suche zu intensivieren und Ihre Daten in ihr System zu integrieren.
Beachten Sie unbedingt die 72-Stunden-Frist für diese Online-Meldung, gerechnet ab dem Zeitpunkt der Ankunft Ihres Fluges. Verpassen Sie diese Frist nicht, da dies Ihre Chancen auf eine reibungslose Abwicklung erheblich beeinträchtigen kann. So gehen Sie vor:
- Besuchen Sie das Air France Gepäckportal: Navigieren Sie auf der offiziellen Air France Website zum Bereich für Gepäckverlust oder Gepäckermittlung.
- Geben Sie Ihre PIR-Referenznummer ein: Nutzen Sie die Nummer, die Sie am Flughafen erhalten haben, um auf Ihren Fall zuzugreifen.
- Ergänzen Sie fehlende Informationen: Überprüfen Sie alle bereits erfassten Daten und füllen Sie alle noch offenen Felder aus.
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Erstellen Sie eine detaillierte Inventarliste: Dies ist der wichtigste Teil der Online-Meldung. Listen Sie so präzise wie möglich den Inhalt Ihres Koffers auf. Denken Sie an:
- Kleidungsstücke (Typ, Marke, Farbe)
- Elektronische Geräte (Modell, Seriennummer, Kaufdatum)
- Wertsachen (Schmuck, Uhren)
- Persönliche Gegenstände (Hygieneartikel, Bücher)
- Ungefährer Wert jedes Gegenstandes
Eine glaubwürdige und detaillierte Inventarliste ist später entscheidend für die Berechnung einer möglichen Entschädigung. Nehmen Sie sich hierfür ausreichend Zeit und seien Sie so genau wie möglich. Ich empfehle Ihnen, Fotos von Ihrem Koffer und seinem Inhalt zu machen, bevor Sie reisen, um im Falle eines Verlusts entsprechende Nachweise zu haben.

Ihren Koffer verfolgen: So nutzen Sie das WorldTracer-System
Nachdem Sie den PIR-Bericht erhalten und die Online-Meldung ausgefüllt haben, beginnt die Suche nach Ihrem Gepäck. Air France nutzt, wie die meisten Fluggesellschaften weltweit, das WorldTracer-System zur Gepäckverfolgung. Dies ist ein globales Netzwerk, das die Kommunikation zwischen den Flughäfen und Fluggesellschaften bei der Suche nach verlorenen Gepäckstücken koordiniert.
Sie können den Status Ihres Gepäcks ganz einfach online verfolgen, indem Sie Ihre PIR-Referenznummer auf der Air France Website oder direkt auf der WorldTracer-Website eingeben. Ich rate Ihnen, dies regelmäßig zu tun, um auf dem Laufenden zu bleiben. Hier sind einige gängige Statusmeldungen und deren Bedeutung:
- "Searching": Ihr Gepäck wird aktiv gesucht. Dies ist der häufigste Status in den ersten Tagen.
- "Found": Ihr Gepäck wurde an einem Flughafen gefunden. Dies ist ein gutes Zeichen! Der nächste Schritt ist der Transport zu Ihnen.
- "Forwarded": Ihr Gepäck ist auf dem Weg zu Ihnen oder zu einem anderen Flughafen, von dem es Ihnen zugestellt wird.
- "Closed": Der Fall wurde abgeschlossen, entweder weil das Gepäck zugestellt wurde oder weil es nach 21 Tagen als verloren erklärt wurde.
Sollten Sie über längere Zeit (mehr als 48-72 Stunden) keine Updates erhalten oder der Status stagniert, zögern Sie nicht, Air France direkt zu kontaktieren. Verweisen Sie immer auf Ihre PIR-Referenznummer. Manchmal hilft ein Anruf, um den Prozess zu beschleunigen oder zusätzliche Informationen zu erhalten.

Rechte bei verspätetem Gepäck: Erstattung für Notkäufe
Wenn Ihr Gepäck verspätet ankommt, haben Sie das Recht, notwendige Ersatzkäufe am Zielort zu tätigen, und Air France ist verpflichtet, Ihnen diese Kosten zu erstatten. Das ist eine wichtige Regelung, die vielen Passagieren nicht vollständig bekannt ist. Ich empfehle Ihnen dringend, dieses Recht in Anspruch zu nehmen, um Ihre Wartezeit komfortabler zu gestalten.Was genau als "notwendige Ersatzkäufe" gilt, hängt vom Einzelfall ab, insbesondere von der Dauer der Verspätung und dem Grund der Reise. Generell sind dies Artikel, die Sie dringend benötigen, um die Zeit bis zur Ankunft Ihres Koffers zu überbrücken. Beispiele für angemessene Ausgaben sind:
- Toilettenartikel (Zahnbürste, Zahnpasta, Seife, Shampoo)
- Unterwäsche und Socken
- Ein oder zwei T-Shirts oder Oberteile
- Medikamente, die Sie dringend benötigen und die nicht im Handgepäck waren
Unangemessene Ausgaben wären hingegen Luxusartikel, teure Markenkleidung, Elektronik, die nicht zwingend notwendig ist, oder eine komplette Garderobe. Die Erstattung ist dazu gedacht, Ihnen das Nötigste zur Verfügung zu stellen, nicht, um Ihren gesamten Kleiderschrank zu ersetzen. Bewahren Sie unbedingt alle Originalbelege für Ihre Notkäufe auf. Ohne Belege wird Air France die Kosten nicht erstatten.
So reichen Sie Ihre Belege korrekt ein:
- Sammeln Sie alle Originalbelege: Stellen Sie sicher, dass Datum, Artikel und Preis klar ersichtlich sind.
- Erstellen Sie eine Liste: Fassen Sie Ihre Ausgaben übersichtlich zusammen.
- Reichen Sie die Belege fristgerecht ein: Dies muss normalerweise innerhalb von 21 Tagen nach Erhalt des verspäteten Gepäcks geschehen. Die genauen Anweisungen finden Sie auf der Air France Website oder in den Unterlagen, die Sie mit dem PIR-Bericht erhalten haben.
- Bewahren Sie Kopien auf: Machen Sie Fotos oder Scans von allen Belegen und der Einreichung, bevor Sie die Originale versenden.
Wenn der Koffer verloren bleibt: So erhalten Sie Ihre Entschädigung
Leider kommt es vor, dass ein Gepäckstück trotz aller Bemühungen nicht wiedergefunden wird. Rechtlich gesehen gilt Ihr Gepäckstück als offiziell verloren, wenn es nicht innerhalb von 21 Tagen nach der Verlustmeldung wieder aufgefunden und zugestellt wurde. Ab diesem Zeitpunkt können Sie einen Antrag auf Entschädigung für den Inhalt des Koffers stellen.
Die Haftung von Fluggesellschaften für Gepäckverlust ist international durch das Montrealer Übereinkommen geregelt. Dieses Übereinkommen legt eine Haftungshöchstgrenze fest, die in Sonderziehungsrechten (SZR) angegeben wird. Aktuell liegt diese Grenze bei etwa 1.288 SZR pro Reisendem. Der Wert eines SZR schwankt, entspricht aber ungefähr 1.500 Euro (Stand Anfang 2026). Es ist wichtig zu verstehen, dass dies eine Obergrenze ist. Sie erhalten nicht automatisch diesen Betrag, sondern müssen den tatsächlichen Wert des Inhalts Ihres verlorenen Koffers nachweisen.
Hier sind meine Tipps, wie Sie den Wert des Kofferinhalts glaubhaft machen können, auch wenn Sie keine Originalbelege mehr haben:
- Detaillierte Inventarliste: Die von Ihnen erstellte Liste ist die Basis. Seien Sie hier so genau wie möglich.
- Fotos: Haben Sie Fotos von sich mit den Kleidungsstücken oder Gegenständen im Koffer? Oder Bilder, die Sie vor der Reise von Ihrem gepackten Koffer gemacht haben? Diese können als Nachweis dienen.
- Kreditkartenabrechnungen/Kontoauszüge: Diese können belegen, wann und wo Sie bestimmte Artikel gekauft haben, auch wenn der spezifische Artikel nicht aufgeführt ist.
- Versicherungsunterlagen: Wenn Sie eine Reisegepäckversicherung haben, können deren Unterlagen oder frühere Schadensmeldungen hilfreich sein.
- Zeugenaussagen: Wenn jemand bezeugen kann, dass Sie bestimmte Gegenstände besessen haben, kann dies unter Umständen nützlich sein.
- Kaufbelege von ähnlichen Artikeln: Wenn Sie einen Artikel verloren haben, für den Sie keinen Beleg mehr haben, können Belege für ähnliche, kürzlich gekaufte Artikel den Wert untermauern.
Die Frist für die Geltendmachung von Entschädigungsansprüchen ist ebenfalls im Montrealer Übereinkommen festgelegt: Sie haben zwei Jahre Zeit, gerechnet ab dem Datum der Ankunft des Flugzeugs, um Ihre Ansprüche geltend zu machen. Verpassen Sie diese Frist nicht!
Häufige Fehler vermeiden und Ihre Ansprüche sichern
Als Experte habe ich im Laufe der Jahre viele Fälle von Gepäckverlust gesehen. Ich kann Ihnen versichern, dass die meisten Probleme bei der Entschädigung auf wenige, vermeidbare Fehler zurückzuführen sind. Indem Sie diese Fallstricke kennen, können Sie Ihre Chancen auf eine erfolgreiche Abwicklung erheblich verbessern:
- Verlassen des Flughafens ohne PIR-Bericht: Dies ist der fatalste Fehler. Ohne den Property Irregularity Report, der noch am Flughafen erstellt werden muss, haben Sie kaum eine rechtliche Grundlage für spätere Ansprüche. Immer den PIR-Bericht erstellen lassen!
- Versäumen der 72-Stunden-Frist für die Online-Meldung: Auch wenn der PIR-Bericht vorliegt, ist die detaillierte Online-Meldung bei Air France innerhalb von 72 Stunden entscheidend. Eine verspätete Meldung kann die Bearbeitung verzögern oder sogar zur Ablehnung führen.
- Fehlende oder unzureichende Dokumentation des Kofferinhalts: Ohne eine detaillierte Inventarliste und möglichst viele Nachweise (Fotos, Belege) wird es schwierig, den Wert des verlorenen Gepäcks glaubhaft zu machen und eine angemessene Entschädigung zu erhalten.
- Keine Aufbewahrung von Belegen für Notkäufe: Bei verspätetem Gepäck haben Sie Anspruch auf Erstattung notwendiger Ersatzkäufe. Ohne Originalbelege wird Air France diese Kosten jedoch nicht übernehmen.
- Verpassen der zweijährigen Frist für Entschädigungsansprüche: Auch wenn der Schock und die Frustration groß sind, vergessen Sie nicht, dass Sie nur zwei Jahre Zeit haben, um Ihre vollständigen Entschädigungsansprüche geltend zu machen. Handeln Sie innerhalb dieser Frist.
- Unrealistische Erwartungen an die Entschädigungshöhe: Das Montrealer Übereinkommen setzt eine Obergrenze. Es ist wichtig zu verstehen, dass Sie den tatsächlichen Wert des Inhalts nachweisen müssen und nicht automatisch den Höchstbetrag erhalten.
